Vorgeschichte

Quelle: Jansen/Kirchhoff/Wiegelmann [1]

Bereits in den 20 er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es in Elfgen mit seinen nur 831 Einwohnern ein sehr vielfältiges Vereinsleben. Folgende 11!! Vereine traten am 30. November 1924 zusammen, um eine, so der wohl ungewöhnliche Titel, „Vereinsvereinigung“ zu gründen: Freiwillige Feuerwehr, Turnverein, Kriegsbeschädigte, Jünglingsverein, Theaterverein, Quartettverein, Leseverein, Radfahrerverein Adler, Brieftaubenverein, Trommelcorps, Musikverein
Hubert Clemens wurde 1. Vorsitzenden dieser Vereinsvereinigung. Der Verein der Vereine hatte so viel zu regeln, dass anfangs 10 oder mehr Vorstandssitzungen stattfanden,  jeder Verein stellte ein Vorstandsmitglied. Eines der ganz grossen Ziele der Vereinsvereinigung war, in Elfgen für die Errichtung eines Kriegerdenkmals „Lustbarkeiten und Veranstaltungen“ abzuhalten. Dank der Beharrlichkeit des Vorstandes wurde das Denkmal errichtet. Aus der Urkunde hierzu ist auf Seite 1 der Zeitgeist mit dem Unverständnis für den verlorenen Krieg deutlich herauszulesen. Abschrift:
"...Am 30. Juni 1929 wurde der Grundstein gelegt für ein Kriegerdenkmal, welches für die im Weltkrieg 1914 – 1918 gefallenen 33 Söhne der Gemeinde Elfgen errichtet und am 7. Juli eingeweiht werden soll. In diesem größten Krieg stand das vereinte Deutschland mit Österreich-Ungarn, Bulgarien und der Türkei gegen 22 andere Staaten der ganzen Welt im furchtbarsten Waffengang, dem es 4 Jahre lang Stand gehalten hat..."
Im Jahre 1930 beendete die  „Vereinsvereinigung“ ihre Arbeit.

Gründung und Geschichte

Der Vereinsvereinigung folgte der Bürgerverein Elfgen – Reisdorf, der am 16.November 1930 gegründet wurde. Es ist wohl kaum überraschend, dass auch in diesem neugegründeten Verein der bewährte Hubert Clemens den Vorsitz übernahm. Auf der Gründungsversammlung wurde beschlossen nur Elfgener und Reisdorfer Bürger aufzunehmen und zwar bis zur nächsten Kirmes kostenlos. Danach, so der Beschluss weiter hatte jeder 2 Mark Aufnahmegebühr zu bezahlen. Der Bürgerverein kümmerte sich auch weiter um die Unterhaltung und Pflege des Denkmals.

Zu dieser Zeit regierte in Elfgen zur Kirmes noch der Hahnenkönig. Auf diese Tatsache wurde auf einer am 30. August 1931 abgehaltenen Mitgliederversammlung nochmals ausdrücklich hingewiesen. Als Zuschuss erhielt der Hahnenkönig 30, -- Reichsmark.

Langsam schoben sich jedoch die Klompen in den Vordergrund. Kirmesmontag wurde jetzt ein Preisklompenball veranstaltet, bei dem jeweils 2 Damen- und 2 Herrenpreise vergeben wurden. Eine stetige Entwicklung in Richtung Klompenkirmes begann, der Hahnenkönig trat mehr und mehr in den Hintergrund. Der 2. Weltkrieg beendete diesen Trend, ebenso endete nach und nach das Vereinsleben im Dorf.

Erste Nachkriegsaktivitäten im Vereinsleben gingen ab 1947 von Tambourkorps und Fussballklub aus, die 1949 die Kirmes veranstalteten.

Am 7. November 1949 fanden sich jedoch junge Männer zusammen mit dem Ziel den Bürgerverein wieder ins Leben zu rufen. Unter Vorsitz von Hubert Pütz wurden die Tätigkeiten wieder aufgenommen. Im Jahre 1950 war es dann wieder der Bürgerverein, der die jährliche Kirmes veranstaltete. Erstmals wurde der Festzug in  5 Gruppen aufgeteilt, die Wohnbezirken entsprachen. Einheitliche Anzüge oder gar Uniformen gaben es bei dem großen Geldmangel der Nachkriegszeit natürlich noch nicht. Jeder zog zum Festzug an, was er gerade hatte. Dies tat der Freude jedoch keinen Abbruch, vielleicht umsomehr, als auch zum Klompenzug die Frauen noch mitziehen durften. Jetzt gab es offiziell auch einen Klompenkönig. Im Jahre 1950 war dies Johann Körfer.

Zwischenzeitlich  war unter anderem  auch das Denkmal wieder Mittelpunkt des Interesses. Ausbesserungsarbeiten waren erforderlich. Außerdem galt es nun auch die Gefallenen und Vermissten des 2. Weltkriegs auf einer Gedenktafel zu verewigen. Auch hierfür wurden mehrere Geldsammlungen im Dorf durchgeführt.

Die weitere Entwicklung des Vereins war nun nicht mehr aufzuhalten. Nach der Kirmes im Jahre 1956 gründete sich der erste Zug des Vereins „Fidele Jonge“. Vorsitzender dieses Zuges wurde Hans Wienands, der gleichzeitig auch Oberst des Regiments war. Weitere Züge, dem Vorbild „Fidele Jonge“ folgend, wurden gegründet: Jröne Jonge, Elfgener Jonge, Immertreu, Gemütlichkeit, Marinezug und Edelknaben. Ein kleiner, aber schmucker Zug bewegte sich fortan durch Elfgen. Paul Phillipps, der inzwischen den Vorsitz übernommen hatte, konnte zufrieden sein.                                                                             

Nach wie vor huldigte der Bürgerverein dem Klompenkönig, der am eigentlichen Höhepunkt der Kirmes, dem Montag mit Festzug und anschließendem feuchtfröhlichen Klompenball gefeiert wurde. Zusätzlich fand auch damals ein Festzug am Sonntag statt. Bis in die 70-er Jahre wurde ausschließlich in Straßenanzügen marschiert, bis dann der Jägerzug Immertreu den Anfang mit geliehenen Jägeruniformen machte. Andere Züge folgten schnell, der Schütze auf Klompen war geboren.

Dies ist eine der Traditionen, die nach der Fusion mit Belmen in den neuen, gemeinsamen Bürgerschützenverein BSV Elfgen – Belmen übernommen wurde und die noch heute lebt.

Quelle:            Rede von Adi Pütter auf der letzten Kirmes 1977 in (Alt) Elfgen, bearbeitet und  erweitert von Hubert Müller